Autor: Marina Weisband

Weisheit 0.1

„Halb so schlimm. Das kleine Stückchen schaffe ich auch ohne“, sagte der Fallschirmspringer, dessen Schirm sich nicht geöffnet hatte, einen Meter über dem Boden. (Mein momentaner...

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Ein sozialkritisches Manifest an Rollenspielsysteme

Logik und Unlogik liegen oft nah bei einander. Außer man spielt Rollenspiele. Gerade bei Fantasy-Rollenspielen tendiert Logik dazu, sich wimmernd unter der Couch hinter den Pizzakartons zu verstecken.  Darum werde ich hier keine Kritik an mehr oder weniger logischen Fantasywelten üben. Das wäre spaßverderberisch und unproduktiv. Es ist ja nicht umsonst „Fantasy“. Nein. Das wäre zu einfach. Ich habe mich lange Zeit geweigert, bei Vampire mal Dark Ages zu probieren. Der Grund ist einfach. Ich hasse es, männliche Charaktere zu spielen und weibliche wären in dieser Welt vollkommen aufgeschmissen. Mal ehrlich. Was soll ich in „Dark Ages“ mit einer Frau? Sie kommt zu Person X um Handlung Y zu beantragen und der fragt nach ihrem Vormund? „So ist das im Rollenspiel aber meistens nicht“, werdet ihr denken. Richtig. Im Rollenspiel gibt es keine Ungleichberechtigung. Weder zwischen Mann und Frau, noch zwischen schwarz und weiß, noch zwischen verschiedenen Göttern, die angebetet werden. Zwischen Elfen und Ogern kann es da immer Komplikationen geben wie sie wollen. Aber Geschlecht, Rasse und Religion sind tabu! Im Übrigen glaube ich, dass das durchaus ausdrücklich so ist. Ich denke nicht, dass ein Verlag es sich leisten könnte, ein System rauszubringen, in dem irgendeine Art der Diskriminierung auftaucht. Das wäre gegen unsere modernen demokratischen Prinzipien. Gut, ich habe nichts gegen moderne demokratische Prinzipien. Ich stehe dahinter. Aber: Wenn man, rein zufällig, vor allem beim historischen Rollenspiel...

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Angst

Der Tag ist gegenüber der Nacht nicht etwa grau. Er ist bunt und laut. Selbst wenn wir meinen, ruhige Tage zu verleben, sind das immer die Zeiträume, in denen wir viel Neues lernen, in denen unser Gehirn viele neue Informationen bekommt, Eindrücke, Bilder, Gesichter, Emotionen, Gedanken… Nachts, das ist eine andere Geschichte. Nachts verarbeiten wir diese Eindrücke. Nachts gibt es nichts, das uns stören könnte. Keine Geräusche rund herum. Kein Licht. Nachts werden wir allein mit uns selbst gelassen. Das ist die Zeit, um nachzudenken, über sich selbst, sein Leben und sein Ich zu reflektieren. Keine Ausreden. Keine Ablenkungen. Das ist vielleicht, weshalb ich solche Angst davor habe. Ich leide an Noctophobie. Das geht bei mir seit vielen Jahren so: Jedes Mal, wenn es darum geht, gleich ins Bett zu müssen, bekomme ich Angst, manchmal Panik. Mein Herz schlägt schneller, ich beginne, nach Ausreden zu suchen. „Ich muss hier noch was fertig machen“, „Ich bin noch nicht müde“. Es ist keine wirkliche Angst vor der Nacht selbst. Ich mache liebend gern Nächte durch, ich bin auch gern draußen unterwegs, mag die Besinnlichkeit des Nachthimmels. Es ist eher die Leere, die droht, wenn die Mitmenschen verkünden, langsam ins Bett zu müssen. Das ist der schlimmste Moment. Es ist ein Gefühl von „gleich bist du allein!“. Und hier, wenn man im Bett liegt, und alle anderen natürlich schon schlafen, wenn du...

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Interludum: Aufgefallen!

Normalerweise beginne ich meine Charaktere mit einem Aussehen. Ich denke es mir nicht extra aus, sondern ich habe es im Kopf. Mein Charakter Masha zum Beispiel entstand vor zwei Jahren, sie ist bis auf den heutigen Tag mein absoluter Liebling. An ihrem Aussehen hat sich recht wenig verändert. Das ist eine der ersten Skizzen, die ich von ihr hatte: Danach machte sie eine lange Persönlichkeitsentwicklung durch, wurde verfeinert, es entstanden einige Kapitel eines Romans über ihr Leben. Ihr Aussehen wurde im Laufe der Illustrationen immer spezifischer: Irgendwann sah sie auf jeder Zeichnung gleich aus. Ich hatte ihr Gesicht mit all seinen schönen Seiten und Makeln im Kopf. Oftmals kommt es vor, dass wir jemanden finden, von dem wir sagen: „Hey, so ähnlich sieht mein Charakter aus!“. Aber weil ich Mashas Aussehen schon so fest in meiner Vorstellung hatte, habe ich niemanden gefunden, von dem ich das behaupten konnte. BIS ich heute auf ein Portrait von Doris Day stieß! Und nun nochmal zum Vergleich. Links: Ein Portrait von Doris Day, Rechts, eine Zeichnung von Masha Glaubt ihr an Zufall? Ich nicht. 😉 (Hier noch meine neueste Arbeit von Masha, diesmal in einer für mich vollkommen neuen Technik. Entstanden, während ich hätte Physiologie lernen sollen. Wenn ich bei der Prüfung durchfalle, dann nur, um euch dies hier präsentieren zu...

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Jüdische Identität

Das ist ein für mich schwieriges Thema, darum werde ich es vermutlich nicht bei einem Artikel dazu belassen. Israels bekanntester Premierminister David Ben Gurion gab 1955 bei den Weisen Israels den Auftrag, festzuhalten, was die „Jüdische Identität“ ausmacht. Es sind dabei lange Bücher und Erläuterungen zu stande gekommen, die alle versuchen, etwas herauszustellen, natürlich sehr viel über Kultur und Geschichte sprechen und letzlich meist zu dem Schluss kommen: Es gibt eine riesige Vielfalt, in dem, was Juden als ihre Identität ansehen. Die meisten davon fühlen sich aber durch ihr Judesein nicht anders als alle anderen Menschen. Ich komme aus einer Familie, in der die jüdische Kultur, auf meinen Großvater zurückgehend, vollkommen zur Seite geschoben wurde. Mein Großvater soll noch jiddisch gesprochen haben, wenn er mit meiner Großmutter stritt. Mein Vater besonn sich der Tatsache, Jude zu sein, nur auf den Papieren. Ich selbst habe davon überhaupt erst mit 12 erfahren. Es ist ein seltsames Gefühl, so viel über den Holocaust gelernt zu haben, über die israelische Staatsbildung und, und, und… und plötzlich festzustellen, dass man selbst irgendwo davon betroffen ist. Aber wie betroffen? Habe ich es denn plötzlich erlebt? Ist mitmal ein schweres Schicksal, oder eine neue Kultur vom Himmel auf mich gefallen? Habe ich denn, nach 12, nicht genau so gelebt wie vorher? Ich denke nicht anders, kleide mich nicht anders, meine Familie ist auch dieselbe. Die selbe...

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