Autor: Marina Weisband

Das Erbe der Querdenker, oder: Wie eine Gruppe funktionieren kann.

Ich will hier einige sehr interessante Gespräche auf einen Punkt bringen, die ich mit verschiedenen, klugen Leuten auf dem Landesparteitag der Piraten NRW in Gelsenkirchen am gestrigen Tage geführt habe. Zunächst muss ich voranstellen, dass mir die Veranstaltung sehr gefallen hat, da ich meinte, eine Atmosphäre der Hoffnung und der Zukunftsgewandtheit vernommen zu haben. Natürlich gab es hier und da ein wenig altes, böses Blut; Spuren von vergangenem Streit. Allerdings sprachen sich alle gleich aus: Wir müssen die Strukturdebatte hinter uns lassen und uns neuen Themen zuwenden. Wir müssen uns inhaltlich politisch beschäftigen, wir müssen umsetzen, woran wir glauben und warum wir eigentlich alle hier sind. Ich denke, das wird auch funktionieren. Wenn ich ein Hindernis sehe, dann ist es eine Frage der Kultur, die in der ganzen Partei bundesweit in etwa ähnlich ist. Nämlich die Kultur des Mitdenkens. Das klingt furchtbar ironisch, dass ich das als Problem beschreibe, aber ich versuche es mal mit einer Analyse. In der Piratenpartei sind Menschen versammelt, die alte Formen der Politik ablehnen und nach Neuem suchen. Es sind generell natürlich gesellschaftlich unzufriedene Leute, größtenteils intelligente und fast immer auch frei denkende Leute. Das sind Leute, die ihre eigene Meinung bilden und sich nicht von einem Herdentrieb leiten lassen. Hier liegen unsere großen Stärken. Aber auch unsere größten Schwächen. Politik machen, heißt zum großen Teil Entscheidungen treffen. Wenn man eine Entscheidung trifft, nimmt...

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…denn wir segeln auf zwei Schiffen

Ich muss einmal wieder politisch werden. In letzter Zeit habe ich viele politikwissenschaftliche Artikel gelesen, einerseits, und viele interne Diskussionen in der Piratenpartei verfolgt andererseits. Dabei ist mir eine Sache aufgegangen, die ich für den Erfolg der Partei mitmal unumstößlich finde. Beginnen wir mal am Anfang. Warum will ich überhaupt, dass die Partei Erfolg hat? In einer Zeit, in der das generelle soziale Denken der Menschen eine Revolution erlebt – nicht nur, aber auch durch das Internet – scheint die Piratenpartei die einzige Partei zu sein, die bereits in ihren inneren Struktur den Kern dieser Veränderung angelegt hat. Alle Revolutionen, die zur Zeit in der arabischen Welt passieren, der Skandal um Wikileaks, um Stuttgart 21, ja bereits die Schaffung des „Web 2.0“ (ja, ich erwähne das noch)… das fügt sich alles in ein Bild: Information lässt sich nicht mehr verbergen, und plötzlich bekommt die Wahrheit wieder einen hohen und zentralen Stellenwert in der Gesellschaft. Ich muss nicht einmal bewerten, ob das gut oder schlecht ist. Es ist einfach so. Politik, die sich darauf konzentriert hat, ein gutes Bild zu vermitteln und die Massen zu kontrollieren, scheint zunehmend zu scheitern. In der Piratenpartei sind die Strukturen von Transparenz und Mitsprache tief verankert. Ich bin der Überzeugung, dass nur eine solche Partei Antworten auf die Fragen haben wird, die sich in Zukunft allen stellen werden. Mit einigen davon habe ich mich...

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Zeichensturm

Kunst passiert phasenweise. Sie hat ihre Ebbe und Flut. Ich kann nur dann zeichnen, wenn ich nicht nicht zeichnen kann. Nach vielen Monaten der Abstinenz hat es mich neulich wieder überflutet. Daraus ist eine Reihe von Bildern entstanden. Meine Mutter hat mich neulich überrascht. Wir befanden uns eben im Gespräch mit einer Künstlerin, die sich meine Bilder ansah. Sie fragte, warum ich nicht Unterricht nehme und das zu meinem Beruf mache. Meine Mutter sagte: „Sie hat keine Leidenschaft zum Zeichnen.“ Ich drehte mich überrascht um und protestierte: „Aber du weißt doch, dass ich es praktisch in jeder Minute tue, ja, mir geht es sogar schlecht, wenn ich nicht zeichnen kann!“ „Ja“, entgegnete meine weise Mutter: „Aber deine Leidenschaft gilt nicht dem Zeichnen, sondern dem Menschen. Die Zeichnung ist für dich nur ein weiteres Mittel, den Menschen zu verstehen. Wie die Psychologie, die Politik, das Theater und alles, was du machst.“ Das ist überzeugend. In diesem Sinne: Hier habt ihr  mehr Zeichnungen von Menschen. (Klicken damit groß) Freundinnen. Dieses Bild hat mich erst wieder zum Zeichnen gebracht. Es war eine Auftragsarbeit für meine Projektpartnerinnen. Die Herzogin. Mehr oder weniger eine Studie. Ich wollte wissen, wie lebendig ein Gesicht sein kann, wenn man es in ein Setting setzt, in dem das Gesicht in der Kunst klassischerweise hölzern dargestellt wird. Becca. Dieses und das unterstehende Bild beziehen sich auf einen Charakter, an...

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Chanukkah – und überhaupt sollten alle Moslems ausgewiesen werden.

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit existiert seit 1957. Sie besteht zu etwa 95% aus Christen und sorgt sich darum, dass irgendjemand in Deutschland möglicherweise den Holocaust vergessen könnte. Damit das nicht passiert, singen sie, veranstalten Touren durch Konzentrationslager und jüdische Wohnviertel und feiern beispielsweise am 12.12. die erste Deportation aus Münster. Alles, damit Juden und Christen wieder friedlich zusammenleben können. Diese Gesellschaft hat der jüdischen Gemeinde Münster auch einen Chanukka-Leuchter gestiftet, der öffentlich und zentral auf dem Maria-Euthymia-Platz steht und acht Tage lang nach und nach entzündet wird. Nicht einfach so, natürlich. Die erste Kerze wurde am 1. Dezember unter Medienpräsenz entzündet, und zwar von unserem Gemeindevorstand gemeinsam mit Bürgermeisterin Vilhjalmsson, die eine geklonte Rede von einem Zettel abgelesen hat, ohne den Blick zu heben, während wir frierend um sie herumstanden und uns das Ende herbeisehnten. In dieser Rede sagte sie diese Dinge, die man dann halt so sagt: Dass die Flamme der Kerze für das Licht der Hoffnung steht, dass diese schreckliche, schreckliche Zeit in Deutschland überwunden sei, dass sie unser Herz erwärmen soll. Seltsam. Ich dachte, Chanukkah hätte etwas mit der Wiedereinweihung des Tempels zu tun… Aber egal. Holocaust.  Die Bürgermeisterin half, die erste Kerze zu entzünden, stellte sie auf den Leuchter, nahm sie nach einer Bitte vom Fotographen wieder runter und tat noch einmal so, als ob sie sie draufstellen würde. Die ganze Veranstaltung hinterließ bei...

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Bericht von der Veranstaltung „Migranten und das deutsche Schulsystem“

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich am 26.11. eine Veranstaltung mit dem Titel „Migranten und das deutsche Schulsystem“ geleitet habe, die der Wuppertaler Elternverein 3×3 im Rahmen der lokalen Bildungsmaßnahme des MIGELO-Projektes organisiert hat. Hier folgt nun die Auswertung des Abends. Anwesend waren etwa 30 Leute, Repräsentanten von Schulen, Ämtern, Hilfsorganisationen, Eltern, Migrantenverbänden und ehemalige Schüler. Erläuterung der Ausgangssituation Kinder von Migranten in Schulen stehen einmal wieder im Zentrum einer breiten öffentlichen Diskussion. Sie gelten als sozial schwächere Gruppe, als schlechtere Schüler, als Kinder mit störendem Verhalten. Weil bei der Suche nach Lösungen oft an einander vorbei geredet wird und die engagierten Kräfte, die tätig werden wollen, möglicherweise oft nicht die eigentlichen Ursachen der Probleme sehen, wollen wir ein Forum schaffen, auf dem alle Beteiligten des Konflikts miteinander diskutieren und die Antworten auf folgende Fragen finden können: An welchen entscheidenden Stellen nehmen die Probleme ihren Ursprung? Wie werden diese Probleme wahrgenommen, wie bewertet? Sprechen die Beteiligten überhaupt vom Selben, wenn sie nach Lösungen suchen? Wie vermittelt man Migranten effizient Wissen über das Schulsystem, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten? Kann man Begegnungsstätten und Netzwerke schaffen, in denen deutsche und zugewanderte Eltern mit einander in Dialog stehen und arbeiten können? Der Abend Nach der Begrüßung und einer kurzen Einleitung präsentierte ich fünf Vorurteile, die sich gegen Kinder, bzw. gegen Eltern mit Migrationshintergrund richten. Ich bat die Anwesenden, jeweils zu zweit Stellung zu...

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